top of page

Testperson gesucht – oder: Wenn der Esstisch zur Klang-Oase wird


Während meiner beruflichen Tätigkeit stoße ich eher zufällig auf eine faszinierende Erkenntnis: Man kann den Umgang mit Klangschalen tatsächlich systematisch und fundiert erlernen. Eine Ausbildung, ein strukturierter Zugang, echtes Handwerk – das klingt ganz nach mir. Also melde ich mich kurzerhand an. Bereits am nächsten Freitag soll es losgehen. Meine Vorfreude? Riesig.

Einige Minuten vor Seminarbeginn betrete ich – gemeinsam mit ein paar anderen Damen – den Raum. Freundliche Blicke, ein herzliches Hallo, eine angenehm ruhige Atmosphäre. Und dort stehen sie auch schon: mehrere Klangschalen, ordentlich zu Dreiersets arrangiert, wartend auf neugierige Hände.


Unsere Seminarleiterin – eine Dame mit beeindruckend einnehmender Aura – begrüßt uns herzlich und führt uns zunächst in die Geschichte und Herstellung der Klangschalen ein. Dass Klangschalen ursprünglich als Essgeschirr dienten, wusste ich bereits. Wissend nicke ich in die Runde. Beim Thema Herstellungsverfahren allerdings wird es dünn mit meiner Expertise.

Es gibt zwei Verfahren, erklärt sie: Gießen und Schmieden. Zwei Methoden, zwei Arten von Klangschalen.


Zur Veranschaulichung nimmt sie zwei Exemplare zur Hand. Die kleinere, optisch sehr glatt, erklingt beim Anschlagen hell und klar. „Eine gegossene Klangschale“, erklärt sie. Der Ton präzise, die Oberfläche ebenmäßig, die Schwingung kaum spürbar.

Dann folgt die zweite Schale – etwas größer, mit sichtbaren Einbuchtungen. Ein tiefer, warmer Klang erfüllt den Raum. „Geschmiedet“, sagt sie. Die Hammerschläge seien noch zu erkennen, der Ton weicher, voller. Diese Schalen, so erfahren wir, eigneten sich besonders gut für Entspannungs- und therapeutische Anwendungen.


Ich lausche. Ich probiere. Ich speichere innerlich ab.

Nach einer kurzen Pause beginnt der praktische Teil – der Moment, auf den ich heimlich gewartet habe. Jede darf sich ein Set auswählen. Sofort stürzen sich die Teilnehmerinnen auf die Schalen. Ich bin einen Moment zu langsam – übrig bleiben zwei Sets. Nun gut. Ich schlage behutsam jede einzelne Schale an, höre genau hin – und staune. Ich weiß sofort, welches Set „mein“ Set ist. Die Entscheidung fühlt sich nicht rational, sondern intuitiv richtig an.


Mit meinen drei Schalen im Arm kehre ich selig an meinen Platz zurück.

Wir lernen, die Schalen an unterschiedlichen Körperstellen zu platzieren, ihre Klänge wahrzunehmen, Schwingungen zu fühlen. Und tatsächlich: Ich bin begeistert. In der Partnerarbeit gelingen mir erste kleine Erfolge. Die Seminarleiterin lobt meine Einfühlsamkeit und spricht von einer „sensiblen Ader“ für diese Arbeit. Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer.


Voller Euphorie komme ich am zweiten Abend nach Hause. Natürlich möchte ich das Gelernte sofort anwenden. Ein Seminarraum steht mir nicht zur Verfügung, ebenso wenig eine Massage-Liege. Aber Improvisation war noch nie mein Problem.

Also wird der Esstisch kurzerhand umfunktioniert: abgeräumt, Decken aufgelegt –

fertig ist die Klang-Oase.

Mein Ehemann wird zur ersten Testperson ernannt.

Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Der Tisch sei hart. Die Lampe blende. Insgesamt nicht sonderlich gemütlich. Ich hingegen bin fest entschlossen.

„Bitte atme dreimal tief ein und aus und schließe deine Augen“, weise ich ihn professionell an.

Ich beginne, arbeite mich mit den Schalen um seinen Körper, platziere schließlich eine auf seinem Bauch. Der Klang erfüllt den Raum. Mich zumindest.

Nach wenigen Minuten möchte er aufstehen. Es sei unbequem. Und ich möge doch bitte erst meinen Kurs beenden, bevor ich weitere Experimente starte.

Uff.

Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Meine Begeisterung erhält einen empfindlichen Dämpfer. Ich bin enttäuscht. Zweifel schleichen sich ein. Habe ich etwas übersehen?

War die Umgebung entscheidender als gedacht? Ist Entspannung vielleicht weniger transportabel, als ich angenommen habe?

Und falls Sie sich nun fragen: Nein, die spätere Scheidung hatte nichts mit den Klangschalen zu tun.

Doch die Fragen blieben.

Was hatte ich in meiner Euphorie nicht bedacht?Warum ließ sich die entspannende Wirkung nicht einfach übertragen?Und braucht es vielleicht mehr als Klang allein – nämlich Raum, Atmosphäre, Bereitschaft?


Eines habe ich gelernt: Zwischen Theorie und Praxis liegt manchmal ein Esstisch.

Und vielleicht beginnt echte Achtsamkeit genau dort – bei der Erkenntnis, dass nicht nur der Klang zählt, sondern auch der Rahmen, in dem er erklingt. Ich habe jedenfalls recht zügig ein 8-wöchiges MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) von  Dr. Jon Kabat-Zinn 1979 entwickeltes, wissenschaftlich fundiertes Programm zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit belegt.



Klangschalen-Anwendung
Klangschalen-Anwendung

"Wussten Sie schon, dass…"

… Achtsamkeit im Kleinen beginnt?


Achtsamkeit ist weit mehr als ein Trendbegriff. Achtsamkeit beginnt im Kleinen.


Sie ist die Kunst, die kleinen Momente wieder bewusst wahrzunehmen und zu erleben. Es ist die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks, ohne diesen zu bewerten.

Achtsamkeit auf andere zu übertragen bedeutet, Menschen im den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen – ohne ihn sofort zu bewerten und mit Mitgefühl zu begegnen.Es geht darum, Gedanken, Gefühle und Situationen achtsam zu beobachten, statt automatisch zu reagieren.

Besonders im Miteinander entfaltet Achtsamkeit ihre Wirkung. Wer anderen achtsam begegnet, hört aktiv zu, bleibt wertfrei präsent und zeigt Empathie. Achtsame Kommunikation heißt, respektvoll zu sprechen und dem Gegenüber Raum für eigene Gedanken und Emotionen zu lassen.

Nicht sofort urteilen.Nicht gleich eine Lösung anbieten.Einfach da sein.

Oft sind es genau diese kleinen Momente bewusster Präsenz, die Vertrauen schaffen und Beziehungen stärken.

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

Katja Schweiger - Klang und Schwingung

Klanganwendungen, Workshops, Seminare

Bahnstr. 65 - 63768 Hösbach

info@katja-schweiger.com

  • Instagram
  • Facebook

© 2026  Katja Schweiger.

bottom of page